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Ärzteinformationen » 03.02.2006
Der wachsende Markt mit IGeL
03.02.2006
Der Zweite Gesundheitsmarkt lebt nur zum Teil von Leistungen, die die GKV, aber auch PKV und Beihilfe nicht (mehr) zahlen - z. B. Magnetfeldtherapie. Er setzt sich vor allem zusammen aus Vorsorge und Prävention, Komfort-, Lifestyle- und Wellnessmedizin. Neben alternativen Heilverfahren, die immer schon privat bezahlt werden mussten und weder für die IGeL-Liste konzipiert wurden noch primär damit in Verbindung gebracht werden, sind das vor allem moderne Diagnose- und Therapieoptionen, zu denen sich der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) noch gar nicht geäußert hat. Oder die in Zeiten öffentlich geforderter Sparsamkeit nicht in den Leistungskatalog der GKV aufgenommen werden, obwohl sie dort eigentlich hineingehören - wie z.B. die Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Früherkennung.

Renditebringer Nummer eins ist nach einer IGeL-Marktübersicht von Arzt&Wirtschaft die vorsorgliche Lungenfunktionsprüfung für Raucher. Auf Platz zwei und drei folgen allergologische Untersuchungen und Beratungen bei Gesunden zur Abklärung einer atopischen Belastung ("Allergie-Check"), danach die pulsierende Signaltherapie und die endosonografische Gefäßuntersuchung mit Ultraschall. Diese Bewertung umfasst allerdings ausschließlich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen IGeL, nicht deren medizinische Qualität. Finanziell gesehen sind private Zusatzleistungen in der Arztpraxis längst ein "Milliardenmarkt", wie das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) verlautbart. In den vergangenen zwölf Monaten seien in Deutschlands Arztpraxen fast 16 Millionen IGeL-Leistungen (ohne zahnärztliche Leistungen) erbracht und damit ein Umsatz von rund einer Milliarde Euro erzielt worden. Nahezu die Hälfte der offerierten Zusatzleistungen entfällt auf Sono-Checks, Augeninnendruckmessungen und ergänzende Krebsfrüherkennungsuntersuchungen - reine Vorsorge-Diagnostik also.
Die Top 15 der rentabelsten IGeL-Leistungen 2005
(Quelle: Arzt & Wirtschaft 9/2005)

1 Lungen-Check: Lungenfunktionsprüfung als Wunschleistung
2 Tests zum Ausschluss von Metall-Allergien
3 Allergie-Check
4 Pulsierende Signaltherapie
5 Endosonographische Gefäßuntersuchung mit Ultraschall
6 Behandlung mit knorpelschützenden Substanzen
7 Medizinisch-kosmetische Behandlung (inkl. Epikutantests)
8 Schmerzarme subkutane Arzneimitteleinbringung
9 Check-Up-Ergänzung: ruhe-EKG, Harnsäure und Kreatinin
10 Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) zur Bestimmung der Körperzusammensetzung
11 Bright-Light-Therapie der saisonalen Depression
12 Magnetfeldtherapie
13 Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie (SMZ) nach Ardenne
14 Frequenzmodulierte Hochton-Therapie
15 Glatzenbehandlung: Begleitende Beratung und Betreuung

Das große Gesundheitspaket

Als unkompliziert zu erbringende und absolut rechtssichere Zusatzleistung avanciert zur "Top-IGeL" daher nicht von Ungefähr ein "Großer Körper-Check", der über den von der GKV definierten und immer weiter abgespeckten "Check-up 35" hinausgeht - ergänzt zum Beispiel durch Parameter wie LDL-/HDL-Cholesterin, Leberwerte und Marker wie CRP, Homocystein, BNP oder EKG und Echo-Kardiographie. Aus dieser Aufzählung wird auch deutlich: "Die" IGeL-Liste mit einer regelnden oder gar rechtlichen Bedeutungsebene gibt es nicht. Jeder Arzt kann privatärztliche Leistungen erbringen, die er "IGeL" nennen darf. Der Trend geht jedoch zu standardisierten Leistungen aus dem IGeL-Katalog, die zum Beispiel von Laborgruppen unter einer bestimmten diagnostischen Zielsetzung (z.B. "Schwangerenbetreuung plus") zu neuen Profilen zusammengeschnürt und den Patienten zu Paketpreisen angeboten werden. Ebenfalls im Kommen: Evidenz-basierte Gesamtkonzepte, etwa zur Gewichtsreduktion oder Vorbeugung von Krankheiten wie "Bodymed" oder "Best Invest", die niedergelassene Kollegen in ihre Praxis integrieren oder im praxisparallelen Gesundheitsinstitut anbieten können.

Anmerken von der Redaktion:
Doc check bietet hier einen interessanten IGeL-Kalkulator an, der eine Vielzahl von Parametern erfasst und die Wirtschaftlichkeit der angebotenen IGeL des jeweiligen Umfeldes einer Praxis angemessen überprüft. (Sonderausgabe 2/2006 Artikel 4)

Die Bundesbürger werden künftig mehr und mehr bereit sein, in die eigene Gesundheit zu investieren - zusätzlich zu den Kassenbeiträgen. Das war auch das Fazit der ersten "Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft" im Dezember in Rostock. Nähert sich nun der Arzt diesen Menschen präventiv unter dem Gesichtspunkt "Gesundheitsberater und Partner für mehr Kraft, Energie, berufliche und private Zielerreichung" (so der Medizinrechtler Hans-Joachim Schade), ist er auf dem Selbstzahler-Markt angekommen. Dessen Gesamtvolumen schätzen Ökonomen auf derzeit rund 240 Milliarden Euro pro Jahr. Hier befindet sich der Arzt dann plötzlich Schulter an Schulter mit anderen Anbietern des Healthcare-Sektors, angefangen bei Apotheken und Heilpratikern, durchaus aber auch in Nachbarschaft mit Fitness- und Kosmetikstudios oder so genannten "Health-Coaches".

Quelle: Doc Check Newsletter Sonderausgabe 2/2006 Artikel 1 von Bernd Harder (von der Redaktion geringfügig bearbeitet)



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